TEXTE / KATJA RICHTER

Kleines Jagdstück
Die Künstlerin Katja Richter greift in ihrer Serie „kleines Jagdstück“ auf eine der ältesten bekannten bildnerischen Thematiken überhaupt zurück – die Jagd. Dieser archaische Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung, der seinen Ursprung in den rituellen Darstellungen der Höhlenmalerei hat, wird in der Serie “Kleines Jagdstück” in ein völlig neues Licht gerückt. Die Künstlerin bedient sich des tradierten Arsenals der Jagdmotivik und überführt dieses in teils spielerischer, teils ironisierender Weise in eine feminine Form der Darstellung. In einer Kombination aus Stillleben, Porträts in Landschaft wie auch in Innenräumen entsteht eine inszenierte Bildwelt, die sich konkreten Raum- und Zeitbezügen entzieht.
Der morbiden, gewalttätigen Ästhetik der Jagdsymbolik, die in der Volkskunst mit der Patina der Idylle überzogen ist, setzt die Künstlerin, eine persönliche Form der Obsession entgegen. Narrative Elemente deuten in den poetisch düsteren Bildern zwar eine Geschichte an, verdichten diese jedoch nicht zu einem Erzählstrang, sondern verharren in einzelnen Sequenzen, die teils rätselhaft teils verschroben komisch wirken. Die Komik entsteht unter anderem aufgrund der zu ernsthaft einstudierten Posen, in denen sich die Künstlerin, die in den Bildern als Protagonisten auftritt, sowohl als dominante Jägerin, als auch als unterlegene Jagdtrophäe präsentiert und stets nicht ganz angekommen wirkt. So geht es in „Jagdstück“ auch nicht vorrangig um die Inszenierung einer neuen Jagdmythologie, sondern vielmehr um eine Versuchsstudie zur Identität einer Frau, die eine klassisch männliche Bilderwelt betritt, um sich in ihr zu versuchen und mit Beharrlichkeit immer wieder in ihren Posen zu scheitern.

Falko Bürschinger