TEXTE / ROLAND SCHMITZ

Das vielschichtige skulpturale Werk von Roland Schmitz besticht durch die pointierte Einheit von Material, Idee und Titel. Dabei reicht die Diversität der Werkstoffe, je nach Intention, von Latex, über vorgefundene Gegenstände, bis hin zu klassisch vorgeprägten Materialien wie Bronze und Neusilber. In seinen zahlreichen parallel bearbeiteten Werkreihen verschafft er alltäglichen Objekten durch exakten künstlerischen Eingriff eine neue, teils konterkarierende Aura, überführt sie durch gezielte Überarbeitung mit einem seiner bevorzugten Materialien in haarsträubende Zusammenhänge oder versetzt sie durch einen einfachen Kniff schlichtweg in die Schwerelosigkeit. Dabei scheut er nicht davor zurück eine soeben bildhauerisch bezogene Position im nächsten Moment durch erneuten Übergriff ins Absurde zu kehren. Bezüge zu Kunstwerken der klassischen Moderne und anderem Gut der Hochkultur werden vereinzelt durch entsprechende Objekt-Titel preisgegeben, darüber hinaus aber auch durch Materialität und Oberfläche unterstrichen. Ein blank poliertes Kruzifix beispielsweise offenbart sich bei näherer Betrachtung als in Bronze gegossener Fetisch der modernen Mobilitätsgesellschaft. Die biedere Porzellanfigur wird durch einen glänzend schwarzen Latexanzug, welcher nur das Hinterteil freilässt, zum Protagonisten eines befremdlich ordinären Sexkabinetts.